Der Sinn von Krisen

Wenn wir uns zurückerinnern, sind es besonders freudige oder schmerzhafte Erlebnisse, die den stärksten Eindruck hinterlassen. Was wir dabei regelmäßig feststellen können: Mit einem Rückblick aus der Distanz finden wir nahezu immer etwas, wozu auch das schlimmste Ereignis in unserem Leben letztlich hilfreich bzw. sinnvoll war. Oder anders ausgedrückt: Leid ist unser wichtigster Motivator, um zu wachsen und uns weiterzuentwickeln.

 

Kein Leben vollzieht sich ohne Übergänge - manchmal auch harte Brüche. Die Pubertät, die erste eigene Wohnung, die erste längere Beziehung, der erste feste Arbeitsplatz, Heirat, Geburt von Kindern, Erwachsenwerden und Auszug der Kinder … die Liste ließe sich beliebig fortsetzen. Jede tiefgreifende Veränderung von Lebensumständen erfordert von uns Anpassungsprozesse, die wir - je nach Situation und „Vorbelastung“ - mehr oder weniger gut vollziehen. Und an denen wir im ungünstigsten Fall auch scheitern können.

 

Krisen entstehen, wenn notwendige Anpassungen nicht gelingen bzw. wenn wir uns einem Übergang mit seinen erforderlichen Entwicklungsschritten nicht gewachsen fühlen. Vor diesem Hintergrund ist es leicht zu verstehen, warum gerade Partnerschaften besonders krisenanfällig sind. Hier muss ein Übergang von zwei Menschen vollzogen werden - und zwar so, dass beide Partner dabei in Kontakt bleiben und nicht in verschiedene Richtungen auseinanderdriften. Gelingt dies nicht, kann aus einer lebensüblichen Entwicklungsaufgabe eine tiefgreifende Krise der Paarbeziehung werden.

 

Krise ist ein pro-duktiver Zustand!
Man muss ihr nur den Beigeschmack der Katastrophe nehmen.

(Max Frisch)